Zum Residenzschloss Heidecksburg Rudolstadt
Hofansicht der Heidecksburg

"Rococo en miniature. Die Schlösser der gepriesenen Insel" ist eine Ausstellung im Residenzschloss Heidecksburg

Adresse:
Schlossbezirk 1
07407 Rudolstadt

Die Schöpfer: Gerhard Bätz und Manfred Kiedorf

Am Anfang war Langeweile

Im Alter von 14 bzw. 15 Jahren lernten sich Gerhard Bätz und Manfred Kiedorf in der Berufsschule im thüringischen Sonneberg kennen. Dank ihrer zeichnerischen Begabung sollten beide eine Ausbildung zum Gebrauchswerber absolvieren. Dort saßen sie in einer Klasse für Verkäuferinnen der Handelsschule und mussten sich mit so spannenden Themen wie Rechnungsführung und Buchhaltung beschäftigen. Die damit verbundene Langeweile war die Geburtsstunde zum Spiel ihres Lebens.
 

Eine Welt aus Halmasteinen

Ausgangsmaterial für dieses Spiel waren ein paar simple Halmasteine, die sich unter der Schulbank zu Königen und Herzögen verwandelten. Bätz und Kiedorf erdachten sich eigene Königreiche, erfanden Namen für ihre Herrscher und stellten ganze Heere aus unterschiedlich bemalten Halmasteinen zusammen. Bereits in dieser Frühphase erfolgte die Fokussierung auf ein Weltbild, das dem „Goldenen Zeitalter“ des Barock und speziell dem Rokoko nachempfunden war.
 

Von der Idee zur Stilechtheit

Es muss vor allem das Spiel mit Formen und Farben gewesen sein, das den Reiz für die beiden Jungen ausmachte. Im Gegensatz zu der sie umgebenden Mangelwirtschaft im „real existierenden Sozialismus“ der DDR hatten Bätz und Kiedorf alle Möglichkeiten der grenzenlosen Prunkentfaltung. Zu Beginn arbeiteten sie noch mit einer gewissen Naivität an ihrem Vorhaben, da sie ja kaum über historische oder architekturgeschichtliche Kenntnisse verfügten. Dies änderte sich durch intensive Lektüre und Ausflüge zu Schlössern in der Umgebung, wobei die Rudolstädter Heidecksburg zu einem der Lieblingsschlösser erkoren wurde. Das Detailwissen über die bevorzugte Epoche wuchs beständig und bildete den Grundstock für die heute so beeindruckende Stilechtheit ihrer Bauten. Die können es in Glanz und Prunk durchaus mit den großen historischen Vorbildern aufnehmen, obwohl sie aus einfachsten Materialien wie Draht, Papier und Gips entstanden sind.
 

Phantasieschlösser als Spielraum für erdachte Figuren

Doch ging es nicht allein um die Rekonstruktion einer idealisierten Epoche. Stattdessen formten sie um, kombinierten neu und kreierten ein ganz anderes akzentuiertes Bild, in dem historische Vorlage und kreative Zutaten sich verschmolzen. Das Ergebnis war etwas vollkommen Selbstständiges. Denn die eigentliche Bedeutung lag weniger im pompösen Erscheinungsbild der Schlösser, als in ihrer Funktion als Spielraum für erdachte Figuren. Im Gegensatz zu museal aufgearbeiteten Schlossmodellen waren ihre Paläste von hunderten Individuen mit Namen, Stammbaum und allen möglichen Marotten bewohnt.
 

Humor als Ausdrucksmittel

Humor ist für Bätz und Kiedorf ein wichtiges Ausdrucksmittel. Indem sie den Charakteren ihrer Phantasiewelt witzige Namen geben und auf sie alberne Reime dichten, werden diese bloßgestellt und sind dem gnadenlosen Gelächter des Betrachters ausgesetzt. Aber auch in der Architektur, die zunächst durch ihre monumentale Pracht besticht, wird mit viel Witz ein Bruch in der formalen Strenge vorgenommen. Sei es durch überraschende Szenerien in ihrem Inneren oder durch das Einfügen von sonderbarem Skulpturenschmuck in dubiosen Räumlichkeiten.



Meilensteine

1952/53

Gemeinsame Gründung der Miniaturkönigreiche Pelarien und Dyonien

1959

Krönung von Königin Cicilie von Pelarien

1961

Religionsgründung durch Philosoph Cäsar Bull

1961

Pezanisch wird als eigene Sprache für Kleriker eingeführt

1962

Das Maß 1:50 wird unter König Heinrich IX. von Dyonien eingeführt – daher später auch genannt „Heinrich der ganz Große”

1962

Geonardi II. folgt Peter III. von Pelarien auf den Thron

1963

Einführung der Centuszeitrechnung – ein Erdenjahr entsprechen etwa 50 Centusjahre

1965

In Dyonien tauchen erste Demokraten auf

1966

Krönung Geonardis V. von Pelarien am 5.2.

1966

600jähriges Rutschjubiläum am 10.6.

1966

Heinrich XIV. von Dyonien erklärt am 20.12. Geonardi V. von Pelarien den Krieg

1970

Revolution in Dyonien / Gründung der Republik Jonesien

1970

Einmarsch pelarischer Regimente in Dyonien

1972

Geonardi VI. von Pelarien wird durch Herzog Lidento entthront

1973

Talari III. tritt am 10.1. die Regierung in Pelarien an und in Dyonien schafft der konservative König Richard endgültig die Demokratie ab

1978

Einführung der Deckungsgleichheit der Zeitmaße – Centuszeitrechnung wird endgültig aufgegeben

1987

Nach längerer Pause beginnt in Dyonien ein neuer Bauboom

1989

Auch in Pelarien wird nun wieder gebaut

1990

Beginn des „Goldenen Zeitalters” auf der gepriesenen Insel, alle kriegerischen Aktivitäten werden endgültig eingestellt

1994

Wanderprediger Bruder Holz Theer, Gruderich Theer taucht in Dyonien auf und verurteilt die mangelnde Achtung vor den Göttern (fordert Kapellen)

1994/95

Erste Ausstellung der Schlösserwelten im Deutschen Spielzeugmuseum Sonneberg, weitere Ausstellungen in ganz Deutschland folgen

1999

Vision der Schwester Grudemunde über den Ursprung des Grudeherdes

2000

Reinhild und Peter Schneider veröffentlichen die erste Publikation zum Thema im Kunstverlag Gotha

2004/05

Die Heidecksburg zeigt in einer Sonderausstellung „Rococo en miniature”

2006

Entscheidung: Die Schlösserwelten verbleiben endgültig auf der Heidecksburg

2007

Die Ausstellung wird in der Hofküche der Heidecksburg eröffnet

2010

Der 100.000 Besucher wird begrüßt

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