Zum Residenzschloss Heidecksburg Rudolstadt
Hofansicht der Heidecksburg

"Rococo en miniature. Die Schlösser der gepriesenen Insel" ist eine Ausstellung im Residenzschloss Heidecksburg

Adresse:
Schlossbezirk 1
07407 Rudolstadt

Figurengruppe über dem Altar in der Hofkirche von Schloss Perenz

Mythos und Götterverehrung

Mit der Erschaffung ihrer eigenen Welt stiegen Bätz und Kiedorf zu Göttern auf, die sich folglich auch von ihren imaginären Wesen verehren ließen. Alsbald folgte eine Mystifizierung der Schöpfungsgeschichte und ein eigenständiger Mythos entstand.


Religionsstiftung durch Gruderich

Zunächst gab es nur die reine Götterverehrung. Erst der Wanderprediger Gruderich Theer begründete in Dyonien eine eigene Religion.

„In Dyonien ist ein Wanderprediger aufgetaucht. ‚So ihr nicht werdet wie das Urholz!’ [...] Er eifert über mangelnde Achtung der Götter, fehlende Rutschlust, Vernachlässigung der alten Sprache, Verweltlichung, verlangt Kapellen, Einsiedeleien, wenigstens Hausaltäre und was noch alles.” (Brief Kiedorf an Bätz vom 14.11.1994)

Auf den Alltag in den beiden Königreichen hatte diese Entwicklung kaum Einfluss. Jedoch wurde die Gruderichgrotte – vom Tempel des Lichts gekrönt – nach dessen Tod zum Wallfahrtsort erklärt. Außerdem wurden zwei Klöster gegründet: in Dyonien für die Jonesienser das Kloster Heilig Schläuchen und in Pelarien eines für die „Unbeschuhten Schwestern der heiligen Grude”.

  Schöpfungsmythos von Cäsar Bull
  Grud (Anonyme Dichtung)
  Gruderich im Gebirg (Erich vom Sauerteige)
  An die Götter (Anonyme Dichtung)
  Das Gruderich-Epos (Erich vom Sauerteige) – Eine Hörprobe

Der Schöpfungsmythos

Das von dem Phil[osophen]. Cäsar Bull folgende Sakrament ist in Pezanien [früherer Name von Pelarien] als alleingültig anzusehen:

 

Bull I.

Ganz oben ist der Allgott!

Bull II.

Dieser gebar zwei Ammen. Diese Ammen bergen Böse und Gut in sich, denn sie gebaren wieder Böses und Gutes. Die Amme Herta gebar zwei Söhne und eine Tochter. Einer der Söhne ist ein Gott, Manfred, der andere aber ein Baserich. Die Tochte[r] aber eine Base.

Bull III.

Die Amme Wanda gebar ebenfalls 3 Kinder, drei Söhne, von denen wieder einer ein Gott, Gerhard, ist, die übrigen aber Baseriche.

Der Schöpfungsmythos (Fortsetzung)

 

Bull IV.

Beide Götter, Manfred + Gerhard haben jeder einen Halbgott  zur Erde geschickt, Manfred den Jonas, dessen Geschlecht noch heutigentags über Jonesien herrscht.

Bull V.

Gott Gerhard hat den Sohn des ermordeten Pezane I, Pezane II, der direkt von der Amme Wanda aufgezogen wurde auf die Erde geschickt. Noch heutigentags lebt seine Seele in uns.

Bull VI.

Also sind beide Länder, Jonesien und Pezanien noch heute göttlich durchtränkt. [...]

 

Anonyme Dichtung

Grud

Wie heißt man wohl ein Büblein hold?
Grudfried, Grudolf, Grudehold.
Wenn irgend geht
Auch Grudefred
Auch Grudehard und Grudebold.
Lieb Mägdlein zierlich wie die Lilie
Grudmilla, Grudchen und Grudilie
Ein schönes Kind
Heiß Grudelind
Grudrune, Zierde der Familie
Irmgrud
Elsgrud
Edelgrud
Annegrud und Grudedrut
Grudhard
Grudfred
Grudehold
Grudefried und Grudebold
Grudrun
Grudchen
Grudemunde
Grudelinde
Grudegunde

Erich vom Sauerteige

Gruderich im Gebirg

Wo Echs und Natter keine Nahrung findt‘,
Wo selbst der Heuschreck sich vor Hunger windt‘,
Wo schroff der nackte Fels zum Himmel ragt,
Einsiedelt Gruderich, der Welt entsagt.
Verachtet Prunk und eitlen Stolz
Und lebt als Ur- und Überholz.
Still im Gebet – solang es tagt –
Er aller Leiblichkeit entsagt.
Erst wenn die Sonn hinab sich neigt,
Ein Grudewölkchen aufwärts steigt.
Was Wenig ’s er zugut sich tut,
Kocht er dann gar auf Grudeglut.
Von diesem schmalen Mal jedoch,
Gibt opfernd er den Göttern noch.
Der Menschen Mißgunst hat bewogen,
Daß er sich ins Gebirg verzogen.
Denn seine hohe Lehre fand
Nur Gleichmut, Hon und Unverstand.
Wer weiß, ob nicht dereinst ein Gott
Ihn rächt für Euren Hohn und Spott.

Anonyme Dichtung

An die Götter

Die Ihr an Größe 2x5x5 uns überragt, Ihr Götter,
Unsterblich seid Ihr nur durch uns, wenn überhaupt.
Wenn Basens Ofen sie nicht frisst, sind Hölzer sterblich nimmer.
Drum greifet den Beryll, zu schärfen Euer Aug!
Und gebet uns und unsrem Werk vollkommne Form!

Erich vom Sauerteige

Das Gruderich-Epos

Das "Gruderich-Epos" gehört zu den beieindruckendsten poetischen Schöpfungen des verdienten Hofdichters Erich vom Sauerteige (alias Gerhard Bätz). Die zwölf Gesänge entstanden 1998 anlässlich der Eröffnung des Kammertheaters Musenhofen. Sie werden vorgetragen vom Hofrezitator Lobreich Eisenbaum (alias Manfred Kiedorf).

Hörprobe

Die Hörprobe umfasst die ersten drei Gesänge.
 



Rubrik: Mit der Lupe betrachtet
Rubrik: Der Dichter sagt
Die Nonkubikasten / Leben von Almosen und vom Fasten.
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