Zum Residenzschloss Heidecksburg Rudolstadt
Hofansicht der Heidecksburg

"Rococo en miniature. Die Schlösser der gepriesenen Insel" ist eine Ausstellung im Residenzschloss Heidecksburg

Adresse:
Schlossbezirk 1
07407 Rudolstadt

In der Schreibstube, Foto: Juliane Rückert

Dichterwettstreit in Pelarien und Dyonien

Die Bibliotheken in den Schlössern der gepriesenen Insel sind reich bestückt mit literarischen Kostbarkeiten. Teils in der landeseigenen Sprache Pezanisch verfasste Sonette, Gesänge und ganze Epen bereichern das Leben bei Hofe, wobei ein wahrer Wettstreit zwischen den Dichtern stattfindet. Der pelarische Hofdichter Erich vom SauerteigeErich vom Sauerteige und sein Gegenspieler Bombastus der aus IgelshiebErich vom Sauerteige auf dyonischer Seite eifern nicht nur um die Gunst ihrer Könige sondern auch um die Liebe der edlen Tulde Geiffermeier.Tulde Geifermeier wird von den Dichtern auf der gepriesenen Insel innig vereehrt. Ein weiterer Rivale ist der Hofzwerg Chevalier KlimpeErich vom Sauerteige, der nicht nur mit seinen musikalischen Talenten König Talari I. erfreut, sondern sich auch als Gelegenheitsdichter mit lyrischen Ergüssen in Szene zu setzen weiß.

Bombastus der aus Igelshieb

„Windiges”, Tuldenade Nr. 10

Seele flattre wie ein Band
Aus meinem Herz in Tuldes Hand,
Daß sie ins Haar mich binde,
Dort wohn ich mit dem Winde.
Stirngewölk am Lockenrand,
Sorge um manch Liebespfand
Vertrieben wir geschwinde,
Voll Lust sie Amor finde!

Bombastus der aus Igelshieb

Liebgesang an Tulden

Wie der Hirsch mit seiner Kehle,
Wie mit Süßlaut Philomele
Sauerteig am Reim sich quäle,
Also jauchzet meine Seele.
Schmiegt der Reim sich wohlig weich,
Dem weißen Schwan im Teich gleich,
So besingend rosig Tulde –
Liebreich ich ihr diese schulde.

Bombastus der aus Igelshieb

Ohne Titel

Wir Glocken hier oben
Ophelien weit loben!
Von früh um acht
Bis acht zur Nacht.

Erich vom Sauerteige

Stimmungslied

Wie es krächzt und wie es kracht,
Wie der Mund des Brechers lacht,
Knirschen mit den Zähnen macht,
Daß ich aus dem Schlaf erwacht.
Herr Talari voller Wonne
Hört dies gern auf dem Balkone,
Traut er doch dem Brechersohne,
Daß er künftig schöner wohne.
Vor dem Wirken großer Kunst
Duldet man der Brecher Dunst.
Stehn sie zwar nicht hoch in Gunst –
Leider gibt es nichts umsunst.
Laßt uns nun die Götter loben,
Die uns führen von da oben,
Denn sie haben uns enthoben
Finsternis und Basentoben.

Erich vom Sauerteige

Die Kunst

Der Dichter lebt in seinem Werk,
Drum macht ihm Sterben keine Not.
Zum Spaß nur lebt des Königs Zwerg,
Drum, wenn er stirbt, dann ist er tot.
Der Meister, der die Schlösser baut,
Schafft Schönheit in Beständigkeit.
Wer Bilder malt, Figuren haut,
Was kümmern ihn wohl Raum und Zeit?
Nur wer sich ganz der Kunst verschrieb,
(Sie ist mitunter erblich.)
Den haben auch die Götter lieb,
Und machen ihn unsterblich.
Die Kunst, sie ist sich selbst genug.
Doch auch ein wenig Selbstbetrug?

Erich vom Sauerteige

Ohne Titel

Also, zum Wahlspruch des Königs:
„Mü rutsch ise.”
Das heißt: „Ich Götterspiel bin.”
Oder „Ich bin der Götter Spiel.”
Oder „Ich bin Gottes Spielzeug.”
Weiter gefaßt könnte man sagen:
„Me rutsch ise – Wir sind der Götter Spielwerk.”
Aber, da es des Königs Wahlsrpuch ist, sag isch: „Mü rutsch ise.”

Erich vom Sauerteige

Das Gruderich-Epos

Das "Gruderich-Epos" gehört zu den beieindruckendsten poetischen Schöpfungen des verdienten Hofdichters Erich vom Sauerteige (alias Gerhard Bätz). Die zwölf Gesänge entstanden 1998 anlässlich der Eröffnung des Kammertheaters Musenhofen. Sie werden vorgetragen vom Hofrezitator Lobreich Eisenbaum (alias Manfred Kiedorf).

Hörprobe

Die Hörprobe umfasst die ersten drei Gesänge.
 

Hofzwerg Klimpe

Bewegungsgedicht von Zwarch Klimpe

Vom Wuchse gar fein zierlich,
Im Kleide sehr manierlich,
Vom Range respecktierlich,
Im Scherze gar possierlich.
So ich dem Prinzen wohl gefiele,
Wär ich sein Lehrer und Gespiele.
Verjage die Fliegen
Beim Kindleinwiegen –
Lehr ihm Kuckuck machen
Und derley nette Sachen.
Gillgille Hosenschwänzel
Rumpelpumpel Zwergentänzel
Säuselwind, mein Geigelein,
Lispelt ihm ins Öhrlein klein.
Spring auf Viren wie ein Hündchen,
Schleck ihm rein sein Zuckermündchen.
Zürnt das Prinzlein uns ein wenig,
Reiche ich ihm untertänig
Seinen Honignuckel zu
Lutschmäulchen gibt gleich Ruh.
Hupf ihm vor als wie ein Floh,
Lacht er froh.

Hofzwerg Klimpe

Gedicht von Zwarch Klimpe

Beim frohen Hirschlauftakt
Mich Polihymnen packt –
Ich kanns genausogut
Wie Sauerteig das tut
Schaut her wie ich beim Hirschlauftrab
Die Gusnt von meinem König hab!
Mit meinem Orgelwägelein
Fahr ich ihm hinterdrein.
Sein hochwohlgeboren Ohr
Schaut aus der Perück hervor
Saugt an meinem Orgelschrein
Lieblich Melodein ein
König milde lächelt
Mohr fächelt


Auch klingt viel schöner meine Geig
Als Verse von dem Sauerteig!

Hofzwerg Klimpe

Schmähung des Erich vom Sauerteige

Wenn der alte Sauerbrei
In seinem Grössenwahne glaubt
Dass er ein grosser Künstler sei
Nur weil Gereimtes ihm aus der Perücke staubt,
So schau er her und lies er dies:
Ich mach mit links nun ein Sonett,
Nicht sauerteiglich lahm und mies,
Vielmehr gar zierlich und adrett.
Auch dass die Tulde er verehrt
Durch die schon Igeslhieb verblödet,
Beweist, dass er im Kopf verkehrt
Und gänzlich ist im Geist verödet!
Dass beide sind in diese Kuh verliebt,
Beweist nicht nur, dass es zu wenig Damen gibt.

Anonyme Dichtung

Kipätt

Ich mäch Kipätt
Was wer gern hätt
Woraus man einst gegessen
Zerstöre ich versessen
Laß‘ was uns allen
Gefallen hat fallen
Das zu eurer Qual
Bis zum nächsten mal
So eßt mit Freudenmiene
Aus vollster Prunkterrine
Ich mach es wie immer
Aber immer schlimmer
Alles Kipätt
Was jeder gern hätt.

Anonyme Dichtung

Die Prunkbrecher

Frühmorgens wenn die Häne krähn,
die Brecher frisch zu Werke gähn.
Ob güldner Prunk, ob Marbelstein,
sie brechen alles kurz und klein
und malen es zu Pulver fein.
Man steht selbst in der Künstler Gunst,
schafft man doch Platz für neue Kunst.

Anonyme Dichtung

Ohne Titel

Wenn ich früh auf bin,
Legt sich Langauf hin.
Nötig hätt
Man nur ein Bett.
Lustig immerhin.
Legt sich Langauf hin,
Wenn ich früh auf bin,
Und man hätt
Nur ein Bett,
Immer läg wer drin.
Immer läge einer drin,
Weil er Lang-, ich Früh auf bin.
Wenn ich schlaf, baut er brav.
Und im umgekehrten Sinn.

Anonyme Dichtung

Schmähung des Bombastus der aus Igelshieb

Dem dichtenden Hofnarren hinter die Hasenlöffel zu schlagen

Wer Mammutreste in den Zähnen hat,
Soll sich bei Hof nicht zeigen,
Der schreibe auf ein Feigenblatt
Des Narren bunten Reigen.

Er übe täglich bunte Sprünge,
Daß knotenvoll verwirr sich sein Gelünge.

Ein Hirn, groß wie die Haselnuß,
Das klappert in dem Kopfe,
Ist angefüllt mit Gruderuß,
Den Resten unterm Topfe.

Entsag der Leier des Apoll!
Flickflack, Spapat und Hampelmann
Erregen nicht der Götter Groll,
Sind was für Dich, der sonst nichts kann.

Anonyme Dichtung

Die Suppenkutsche

Die Kutsche saust
Das Rad ist schmal
Das Süpplein braust
Durch Berg und Tal
Die Peitsche knallt
Tief drin im Wald
Ein Rad zerbricht
Sie halten nicht
Vier Männer tragen
Den Suppenwagen
Sowie zwei Roß
Hin zum Schloß
Der Herr Talarer
Hungrig warer
Wie noch nie
Der Talarie

Anonyme Dichtung

Gleichnis

Ohne Frage, Gemardi hat viel Plage
Ohne daß er zage, zage
Weil nur wenig macht ihn froh`
Lidento, Lidento!
Perenz heißt ein Schloß sehr richtig,
drinnen ist Lidento wichtig,
als Minister und auch so!
Lidento, Lidento!



Rubrik: Höproben

gelesen von Manfred Kiedorf, Ton-Collage Steffen Schlosser

Rubrik: Mit der Lupe betrachtet
Rubrik: Der Dichter sagt
Perückenmacher Taubennest / Verdeckt mit Kunst der Haare Rest.
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